Workshop gegen Rechts

Argumentationstraining gegen Rechts

Rechte Parolen am Familientisch, im Sportverein, im Hörsaal oder im Betriebsrat kontern — wissenschaftlich fundiert, ohne moralische Überlegenheit, mit Werkzeugen, die wirklich tragen. Argumentationstraining nach den Methoden der politolinguistischen Topos-Forschung (Wengeler), mit Beispielen aus dem Counter-Speech-Korpus und KI-Tool-Integration. Bundesweit buchbar — vor Ort, hybrid oder online.

Linguistische Fundierung

Argumente-Analyse nach Topos-Theorie (Wengeler) und Diskursanalyse — wir verstehen rechte Sprüche als sprachliche Strukturen mit erkennbaren Mustern, nicht als zufällige Provokationen. Das macht die Konter strategischer.

Counter-Speech-Korpus

Beispiele und Konter-Vorlagen stammen aus einem eigenen Korpus mit über 1.200 annotierten Counter-Speech-Fällen aus deutschsprachigen Social-Media-Diskursen. Empfehlungen sind datengestützt, nicht nur theoretisch.

Differenzierung zu GreenCampus

GreenCampus (Heinrich-Böll-Stiftung) bietet exzellentes klassisches Argumentationstraining. Hasskompass kombiniert das mit Online-Counter-Speech und KI-Tool — wir trainieren Stammtisch und Familien-WhatsApp gleichzeitig.

KI-Tool integriert

Der Hasskompass-Analyzer kommt im Workshop zum Einsatz: Live-Klassifikation von Postings, Severity-Skala, Counter-Speech-Vorschläge zum Diskutieren. KI wird Werkzeug, nicht Bedrohung.

Formate & Angebote

2 Tage · ca. 15 TN

Wochenende-Argumentationstraining

Das Klassiker-Format der Erwachsenenbildung: zwei Tage am Wochenende, intensiv, mit Zeit für Rollenspiele und Selbsterfahrung. Geeignet für Volkshochschulen, kirchliche Bildungswerke, Gewerkschaftsbildungswerke und politische Stiftungen. Maximal 15 Teilnehmende, damit jede:r in Übungssimulationen wirklich dran ist.

  • Tag 1: Topos-Theorie nach Wengeler — wie rechte Argumente strukturiert sind
  • Tag 1: Die 10 häufigsten Stammtischparolen analysieren und kontern lernen
  • Tag 2: Rollensimulationen Familienfeier, Stammtisch, Vereinssitzung
  • Tag 2: Plattform-Counter-Speech — von Facebook bis WhatsApp-Familiengruppe
  • Materialien zum Mitnehmen: Topos-Karten, Konter-Spickzettel

Tag · ca. 20 TN

Tages-Argumentationstraining

Ein voller Tag für NGOs, Stiftungen, Gewerkschaften oder kommunale Demokratie-Träger. Konzentrierter Aufbau, mehr Teilnehmende, weniger Tiefen-Erfahrung als beim Wochenende — dafür leichter in den Arbeitsalltag zu integrieren. Häufig als Fortbildungstag für Mitarbeitende oder als offenes Format mit Anmeldung.

  • Vormittag: Grundlagen — Topos-Analyse, Synonym-Karten der Rechten
  • Vormittag: Die 7 Konter-Strategien (Faktencheck, Empathie-Brücke, Humor, etc.)
  • Nachmittag: Rollensimulationen in Kleingruppen — eigene Beispiel-Fälle
  • Nachmittag: KI-Tool-Demo Hasskompass-Analyzer für Online-Konter
  • Materialien & Take-Home-Aufgabe für die kommende Woche

flexibel · vor Ort bei euch

Inhouse-Argumentationstraining

Eine Organisation will eigene Mitarbeitende oder Multiplikator:innen ausbilden. Wir kommen zu euch — mit einem Programm, das auf eure konkreten Konflikt-Situationen zugeschnitten ist: Betriebsrat im Konflikt mit rechten Beschäftigten, Pfarrkonvent zu „besorgten Bürger:innen“ in der Gemeinde, kommunale Verwaltung im Umgang mit AfD-Anfragen.

  • Vorab-Bedarfsgespräch mit eurer Leitung / Steuergruppe
  • Maßgeschneidertes Programm (typisch halb- bis zweitägig)
  • Eure echten Fälle (anonymisiert) als Übungs-Material
  • Bis zu 25 Teilnehmende möglich
  • Anschluss-Coaching für einzelne Mitarbeitende optional

Modulare Reihe · abends

Online-Argumentationstraining

Vier bis sechs Abend-Module à 2 Stunden — ideal, um neben dem Beruf zu lernen oder konkret auf etwas vorzubereiten: Familienfeier, Wahlkampf-Engagement, Mitgliederversammlung im eigenen Verein. Zwischen den Modulen gibt es kleine Aufgaben und ein optionales Peer-Chat-Forum.

  • Modul 1: Topos-Analyse rechter Argumente
  • Modul 2: Die 7 Konter-Strategien mit Beispielen
  • Modul 3: Plattform-Spezifika (Family-Chat, Facebook, X, Bluesky)
  • Modul 4: Krisen-Familienfeier — Rollensimulation
  • Optionale Module 5+6: Vereinssitzung, Wahlkampf-Tür-Gespräche

Argumentationstraining anfragen

Jedes Angebot wird auf Zielgruppe, Vorwissen und Format abgestimmt. Schreib uns kurz Anliegen und Termin-Wunsch, wir melden uns innerhalb von 48 h.

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Hintergrund & Details

Topos-Analyse nach Wengeler — wie rechte Argumente strukturiert sind
Rechte Argumente klingen oft erratisch und emotional, sind aber strukturell hoch geordnet. Der Linguist Martin Wengeler hat in seinem Standardwerk „Topos und Diskurs“ (2003) gezeigt, dass politische Argumentation auf einer überschaubaren Zahl wiederkehrender „Topoi“ beruht — Argumentationsmustern, die als allgemein einsichtige Schlussregeln funktionieren. Beispiele für Topoi in rechter Argumentation: • Belastungstopos: „X ist eine Belastung für uns (Sozialsystem, Schulen, Wohnungsmarkt) — also ist X zu reduzieren.“ Klassische Form bei Migrationsdiskursen. • Kriminalitätstopos: „X erhöht die Kriminalität — also ist X gefährlich.“ Funktioniert mit selektiver Statistik-Verwendung. • Identitäts-/Kultur-Topos: „X bedroht unsere Identität / Kultur / Heimat — also müssen wir uns schützen.“ Operativer Kern völkischer Rhetorik. • Ökonomie-Topos: „X kostet uns Geld — also ist X abzulehnen.“ Häufig gegen Klimapolitik, Sozialleistungen, Geflüchtete. • Bevölkerungs-/Demographie-Topos: „X verändert die Demographie — also droht ein Bevölkerungsaustausch.“ „Großer Austausch", Renaud Camus, Identitäre Bewegung. Wenn Sie diese Topoi erkennen kannst, weißt Sie sofort, was als Antwort taugt und was nicht. Gegen einen Belastungstopos hilft kein moralisches Argument („Aber Menschenrechte!"), sondern eine bessere Datengrundlage oder eine Verschiebung der Vergleichsbasis. Gegen einen Identitäts-Topos hilft kein Faktencheck (die Behauptung ist nicht primär faktisch), sondern eine Konkurrenz-Erzählung („Was ist denn Ihre Heimat-Erfahrung — und wie passt X da rein?"). Im Workshop lernst Sie die zwölf häufigsten Topoi der gegenwärtigen rechten Diskurse kennen — und wir üben gezielt, sie zu erkennen und kontextspezifisch zu kontern.
Die 10 häufigsten Stammtischparolen — und wie Sie sie kontern kannst
Aus über 15 Jahren Workshop-Praxis und dem Counter-Speech-Korpus zeichnen sich zehn Parolen ab, die in Erwachsenenbildungs-Settings immer wieder auftauchen. Im Workshop nehmen wir sie systematisch durch — hier nur als Vorgeschmack die Liste mit jeweils einem Konter-Hebel: 1. „Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“ → Konter über Daten zu Arbeitsmarkt-Effekten (Brücker-Studien, IAB), nicht über Moral. 2. „Wir können doch nicht alle aufnehmen.“ → Konter über tatsächliche Aufnahme-Zahlen vs. wahrgenommene Zahlen (Distortion). 3. „Frauenrechte werden bei uns mit Füßen getreten — Stichwort Köln 2015.“ → Konter über Differenzierung Täter:innen-Statistik vs. ethnisierende Pauschalisierung. 4. „Die wollen sich nicht integrieren.“ → Konter über Integrations-Forschung (BIM, IAB), Generationen-Effekte. 5. „Genderwahn / Frühsexualisierung.“ → Konter über Differenzierung wissenschaftlicher Konsens vs. politische Kampagnen-Sprache. 6. „Wir dürfen ja gar nichts mehr sagen.“ → Konter über Diskurs-Soziologie: was rechtlich verboten ist (wenig) vs. was sozial sanktioniert wird (mehr) — und warum das nicht „Zensur“ ist. 7. „Die Klimasekte zerstört unsere Wirtschaft.“ → Konter über tatsächliche ökonomische Kosten von Nicht-Handeln (Stern-Report, DIW). 8. „Putin hatte ja seine Gründe.“ → Konter über Quellen-Hierarchie und Whataboutism-Erkennung. 9. „Die etablierten Parteien sind doch alle gleich.“ → Konter über konkrete Abstimmungs-Differenzen (Bundestag-Datenbanken). 10. „Bevölkerungsaustausch / Großer Austausch.“ → Konter über Quellen-Forschung (Renaud Camus, Identitäre) und tatsächliche Demographie. Wichtig: Konter heißt nicht „gewinnen“. Konter heißt: die Mitlesenden / Mithörenden bekommen ein anderes Bild, weil Sie das stehengelassen hast. Der/die Sagende lässt sich oft nicht umstimmen. Genau darüber sprechen wir im Workshop ausführlich — Stichwort Cyberbystander-Forschung.
Argumentations-Training vs. Faktencheck — wann was wirkt
Ein häufiges Missverständnis: „Wenn ich nur genug Fakten habe, kann ich die Hetzer:innen überzeugen.“ Die Forschung sagt klar: Nein, nicht immer — und manchmal kontraproduktiv (Backfire-Effekt, Nyhan & Reifler). Wann Faktencheck wirkt: • Wenn die Position der Gegenüber nicht stark identitätsstabilisierend ist. Bei jemandem, der „glaube ich gehört zu haben“-Aussagen macht und nicht identitär gebunden ist, kann eine präzise Quelle wirken. • Auf die Mitlesenden — fast immer. Selbst wenn Sie die hasspostende Person nicht überzeugst, sehen die Mitlesenden, dass die Position empirisch nicht trägt. • Mit Quelle und Link, nicht als bloße Behauptung. • In schriftlichen Settings (Forum, Kommentarspalte) mehr als in mündlichen (Stammtisch, Familienfeier). Wann Faktencheck NICHT wirkt: • Bei identitätsstabilisierenden Aussagen („Wir Deutschen ...", „Die da oben ..."). Die Aussage ist nicht primär faktisch, sondern positioniert. Fakten prallen ab. • In emotional aufgeladenen Settings (Wut, Trauer, Angst). Da hilft eher Empathie-Brücke oder Stille-Strategie. • Bei koordinierten Trolling-Operationen. Die suchen Engagement — Faktencheck bedient sie. Argumentationstraining heißt: Sie lernst zu unterscheiden. Welche Aussage gehört in welche Schublade — und welcher Hebel passt dazu. Faktencheck ist EINE Strategie unter sieben. Eine sehr starke, wenn sie an der richtigen Stelle eingesetzt wird. Eine schwache, wenn sie als Allheilmittel angewendet wird. Im Workshop üben wir diese Unterscheidung an konkreten Beispielen — auch an Beispielen, die Sie mitbringst.

Häufige Fragen

Ist das Argumentationstraining förderfähig?

Häufig ja. Demokratie-Leben!-Programme (BMFSFJ), Landesprogramme gegen Rechtsextremismus, gewerkschaftliche Bildungswerke, Bildungsfreistellungsgesetze einzelner Bundesländer und Stiftungs-Förderungen kommen regelmäßig in Frage. Wir liefern auf Anfrage eine Förderskizze, die in Anträge passt. Die finale Antragstellung empfehlen wir mit der lokalen Demokratie-Leben!-Fachstelle.

Wochenende oder Tag — was passt für mich?

Wochenende (2 Tage) ist intensiver, mit mehr Zeit für Rollensimulationen und persönliche Reflexion — geeignet für Volkshochschulen, kirchliche Bildungswerke, politisch interessierte Privatpersonen. Tag (1 Tag) ist konzentrierter, mehr Teilnehmende möglich — geeignet für NGOs, Gewerkschaften, betriebliche Fortbildungstage. Bei Unsicherheit fragen — wir empfehlen ehrlich.

Brauche ich Vorwissen?

Nein. Das Training startet bei den Grundlagen und holt jede:n da ab, wo er/sie steht. Hilfreich ist allerdings: eigene Erfahrung mit Stammtisch- oder Familien-Konflikten — diese realen Fälle nutzen wir in den Übungen. Wer einfach nur „mal eine Fortbildung mitmachen“ will, ist hier auch gut aufgehoben, lernt aber weniger als jemand mit eigenem Übungs-Material.

Eher Familienfeier-Vorbereitung oder Demo-Engagement?

Beides geht — und beides braucht teilweise unterschiedliche Werkzeuge. Im Standard-Workshop decken wir beides ab (Familienfeier-Modul plus Plattform-/Online-Modul). Bei Inhouse-Trainings für Gewerkschaften oder Aktivist:innen-Gruppen können wir den Schwerpunkt auf öffentliche Settings (Demo, Vereinsversammlung, Wahlkampf-Türgespräche) legen. Bitte vorher absprechen.

Gibt es Materialien zum Mitnehmen?

Ja. Alle Teilnehmenden bekommen Topos-Karten zu den zwölf häufigsten rechten Argumentationsmustern, einen Konter-Spickzettel mit den sieben Strategien, eine Stammtischparolen-Liste mit Konter-Beispielen und einen Hasskompass-Analyzer-Demo-Zugang für 30 Tage. Bei Tages- und Wochenend-Formaten zusätzlich ein digitales Handout mit Vertiefungs-Literatur (Wengeler, Benesch, Costello, Hufer, Schramm).

Train the Trainer

Multiplikator:innen-Programm Counter Speech — selbst Trainer:in werden

Coaching

1:1-Coaching für exponierte Personen — Counter Speech, Krisen, Resilienz

Workshops im Überblick

Alle Hasskompass-Workshop-Formate: Schulen, NGOs, Verwaltung, Unternehmen

Glossar

Definitionen: Stammtischparolen, Topos, Dog Whistle, Counter Speech